Interview mit Gerhard Grafmüller
Aufgrund seiner beeindruckenden Darbietung bei der Veteranen-Weltmeisterschaft Anfang November in Paris in der Kategorie M6 – 81 kg hatten wir die Gelegenheit, Gerhard Grafmüller vom Budo-Club Offenburg einige Fragen zu stellen.
Weg zum Judo
F: Wie und wann bist du zum Judo gekommen?
Ich habe einen Bruder und drei Schwestern. Durch meine älteren Schwestern bin ich 1985 zum Judo gekommen. Damals war ich 15 Jahre alt.
F: Was begeistert dich bis heute an diesem Sport?
Das Training und insbesondere das Auspowern machen mir bis heute großen Spaß. Genau das ist es, was mich am Judo begeistert.
Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft
F: Wie hast du dich auf die Weltmeisterschaft vorbereitet?
Für die Weltmeisterschaft habe ich mich nicht anders vorbereitet als sonst. Ich habe zweimal pro Woche trainiert und zusätzlich Krafttraining gemacht – genauso wie sonst auch.
F: Welche Unterstützung hast du dabei von deinem Verein, deinem Trainerteam und deiner Familie erhalten?
Während des Trainings hatte ich viele verschiedene Trainingspartner. Das war das Hauptsächliche, die Unterstützung von den Menschen aus meinem Verein, die hier waren und immer mitgemacht haben.
Von meiner Familie wurde ich dabei immer mental unterstützt. Meine Frau hat mich auch auf die Weltmeisterschaft nach Paris begleitet, um mich vor Ort anzufeuern und mitzufiebern, und mich damit sehr unterstützt.
Wettkampf & Emotionen
F: Wie hast du die Atmosphäre in Paris erlebt?
Es war ein gewaltiges Ereignis. Es waren viele Nationen und viele Kämpfer da, das war beeindruckend. Und es war super organisiert, das war unglaublich, einfach perfekt. Jedes Detail war akkurat.
F: Mit welchen Erwartungen bist du in den Wettkampf gestartet – hast du schon damit gerechnet, den Titel zu holen?
Damit hatte ich natürlich nicht gerechnet. Für mich war das Wichtigste, den ersten Kampf zu gewinnen. Die anderen Siege kamen dann nach und nach. Dabei bin ich in jeden Kampf mit dem Gedanken „Ich werde gewinnen“ reingegangen. So bin ich durchgestartet.
F: Wie gehst du bei solch großen Turnieren mit Druck und Nervosität um?
Ich konzentriere mich darauf, bei mir zu bleiben und ruhig zu sein. Das ist, finde ich, das Wichtigste, was man machen kann. Einfach ruhig und konzentriert zu bleiben und zu wissen, was man kann.
F: Hast du ein bestimmtes Ritual vor deinen Kämpfen?
Ich schaue mir die Gegner immer von oben nach unten an. Wenn du sie von unten nach oben anschaust, stehen sie über dir. Wenn du sie dagegen von oben nach unten anschaust, klappt es meistens.
Dazu sage ich mir immer selbst, dass ich gewinnen werde.
Technik & besondere Merkmale
F: Wo liegen deine Stärken - eher im Stand oder im Bodenkampf?
Meine Stärke würde ich in beidem sehen, da ich beides gleich gern mache.
F: Gibt es eine Technik, die dir besonders liegt oder die du als deine Spezialität bezeichnen würdest?
Eine Umdrehtechnik am Boden, ich weiß leider nicht wie die Technik heißt. Ich muss dazu sagen, dass ich sie auch noch nie bei jemandem im Kampf gesehen habe.
Ich habe die Technik bei meinen Kämpfen in der Weltmeisterschaft gezeigt und von vielen im Anschluss gesagt bekommen, dass sie sehr gut war.
F: Welcher Kampf oder Gegner ist dir besonders in Erinnerung geblieben – und warum?
Das war der Amerikaner, gegen den ich gekämpft habe. Einerseits, weil er gegen den amtierenden Weltmeister gewonnen hat, andererseits, weil er so unscheinbar und harmlos aussah, auf der Matte aber so unbeugsam und stark war.
Der Mongole im Finale war ebenfalls unangenehm, aber der Amerikaner war noch unangenehmer.
Erfolg, Motivation & Zukunft
F: Wie fühlt es sich an, Veteranen-Weltmeister zu sein?
Das ist kaum zu glauben, und doch ist es wahr. Emotionen pur!
Meine Frau hat vor Freude lange geweint und auch ich hatte während der Siegerehrung kurz Tränen in den Augen.
Das war schon der Hammer, einfach unglaublich.
F: Was motiviert dich, weiterhin auf so hohem sportlichen Niveau zu kämpfen?
Mein Ehrgeiz und mein Wille. Ich gebe immer 100 %
F: Welche Ziele hast du dir für die kommende Zeit im Judo gesetzt?
Ich möchte weiterhin Spaß und Freude am Judo haben und auch manchmal die Leute ein wenig frustrieren. Weitere Titel werden sich ergeben. Das hängt natürlich immer davon ab, wo und wann die Wettbewerbe stattfinden, da wir alles selbst finanzieren müssen.
Abschluss
F: Was möchtest du jungen Judoka oder Nachwuchskämpfern mit auf den Weg geben?
Immer an sich zu glauben, auch wenn man mal verliert aufzustehen und weiterzumachen.Ganz wichtig ist es auch, sich Ziele zu setzen und sich zu sagen: „Das und das will ich machen.“ Ob es eine Gürtelprüfung oder ein Titel ist, ist egal. Wichtig ist, sich Ziele zu setzen und sich diese immer wieder selbst zu sagen. Wie es im wahren Leben auch ist, ob beruflich oder sportlich spielt dabei keine Rolle.
Wir bedanken uns bei Gerhard für das Gespräch und seine inspirierenden Worte. Wir wünschen ihm weiterhin viel Spaß und Freude am Judo und hoffen, auch in Zukunft über weitere Erfolge von ihm berichten zu können.