26.03.2004 - Impressionen eines Judovaters In zwei Stunden sollen die internationalen holländischen Judomeisterschaften
beginnen, ein A- Turnier bei welchem man noch Punkte zur Olympiateilnahme in Athen sammeln kann. Mit dabei mein 21 jähriger
Sohn Dennis. Nach dem guten Abschneiden in Prag die Woche zuvor, hat der Bundestrainer der Jugend eine weitere Chance gegeben,
sich bei guten Leistungen für die Europameisterschaft im Mai zu qualifizieren.
Es ist noch ein Weilchen hin und so beginne ich mich zu erinnern wie alles begann. Das war vor 15 Jahren in einer kleinen Sporthalle
von Achern, bei den Kreismeisterschaften der Jugend D. Zum ersten Mal sah ich zu, wie mein Sohn einen Wettkampf bestritt. Die Spannung
war toll und der Vater war stolz, auch wenn es zu keinem so guten Abschneiden reichte.

Es war aber der Anfang einer wunderschönen Zeit. Etliche tausend Kilometer zusammen im Auto zum Training, sowie an den Wochenenden
zu den Wettkämpfen. Stunden des Wartens, gegen Sekunden der Entscheidungen. Über so manche Niederlage hinweggetröstet aber um so
mehr Siege mit Hamburger und Pommes gefeiert. Eigentlich war es der Weg, nicht das Ziel, der uns zusammenrücken lies und uns die
schönsten Stunden schenkte. Auch einen manchmal übermotivierten und zu lauten Vater am Mattenrand hat er in Kauf genommen. Dafür
ist dieser immer weiter gefahren. München, Erfurt, Bremen, Rimini. Schweren Herzens zu Hause, wenn es mit dem Flugzeug nach
Tokio, Helsinki, Kaliningrad oder gar nach Südkorea ging.

Ganz schön viel gesehen von der Welt hat der junge Mann. Aber das muss im Leistungssport hart erarbeitet werden. Mindestens zwanzig
Stunden Training in der Woche. Etliche blaue Augen und diese Qualen bei jedem Gewichtmachen.

Trotzdem immer noch dabei, sonnst wäre ich nicht hier. Auch mir macht es immer noch Spaß, da schrecken mich auch nicht die 700km
die wir noch spät heute Abend zurückfahren werden. Nach einer Minute und 38 Sekunden ist alles vorbei. Wie grausam und entgültig
der Sport manchmal sein kann. Am Ausgang bekommen wir noch eine Werbebroschüre für die Europameisterschaften im Jahr 2005 in
dieser Stadt in die Hand gedrückt. Genau – das war es doch: Der weg ist das Ziel.

Wir lächeln wieder und freuen uns auf zu Hause.
Impressionen eines Judovaters.jpg
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