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Datum: 08.03.2017
   
DINOS VERABSCHIEDUNG AUS DER NATIONALMANNSCHAFT
   
Aufgrund unterschiedlichster Faktoren wurde unser Dino Pfeiffer vor einigen Wochen aus der Nationalmannschaft verabschiedet.
Wir haben nachgefragt wie es ihm heute - mit etwas Abstand - mit dieser Entscheidung und der neuen Situation geht.

BJV:
Dino, du wurdest bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften aus der Nationalmannschaft verabschiedet. Wie war das für dich?

Dino:
Richtig in Worte fassen kann ich das Ganze immer noch nicht. Es war ein sehr zwiespältiges Gefühl. Enttäuschung und Wut haben sich dabei immer wieder abgewechselt. Enttäuschung darüber, dass nun meine Karriere vorbei sein soll und ich wohl nicht mehr länger gebraucht werde. Wut darüber, dass mir diese Entscheidung, wann und wie ich meine Karriere beende, abgenommen wurde und man mich dabei nicht einmal wirklich gefragt hat.

BJV:
Sicherlich hast du bereits vorher erfahren, dass du nicht mehr auf der neuen Kaderliste stehen wirst. Wie genau ist das abgelaufen?

Dino:
Ich hab es natürlich schon vorher gewusst. Mein Trainer hat es mir mitgeteilt, nachdem er ein Gespräch mit dem neuen Bundestrainer hatte. Vom DJB selbst kam aber bis heute weder eine schriftliche, noch mündliche, Mitteilung, dass ich aus der Kaderliste gestrichen wurde, geschweige denn, wurden die genauen Gründe näher aufgezeigt. Ich habe nur Anfang Januar eine E-Mail bekommen, in welcher ich gefragt wurde, ob ich an meiner Verabschiedung aus dem Nationalkader, im Rahmen der Deutschen Meisterschaft, teilnehmen werde.

BJV:
Hast du diese Entscheidung geahnt oder kam sie überraschend?

Dino:
Als nach den Olympischen Spielen 2016 die Gerüchte über eine Umstrukturierung des Förderkonzeptes des Leistungssportes durch den DOSB lauter wurden, ahnte ich schon, dass ich vielleicht unter den Athleten sein werde, welche das Feld räumen müssen. Bei einem Gespräch mit dem neuen Bundestrainer Mitte Oktober wurde mir dann das Ausmaß der Änderungen bewusst, als der Bundestrainer mir sagen musste, dass er selbst noch nicht sicher wüsste, wie viele Kaderstellen erhalten bleiben. Es findet auf jeden Fall eine Kürzung statt. Er gab mir den Rat mich erstmal mehr auf mein Studium zu konzentrieren. Danach war es mir schon fast klar, dass, wenn Kader gestrichen werden, ich einer der Ersten sein werde.

BJV:
Hat es deiner Meinung nach mit dem Wechsel des Nationaltrainers zu tun?

Dino:
Vielleicht ein kleines Stück weit, aber im Großen und Ganzen, nein. Der neue Bundestrainer übernimmt eine schwierige Position. Er soll frischen Wind und vorzugsweise auch mehr Erfolg bringen, jedoch werden Ihm von oben herab dabei die Hände gebunden. Er kann ja schlecht den Erfolg aus dem Hut ziehen und muss deshalb erst einmal ein paar Dinge nach seinen Vorstellungen verändern. Aber wie soll man Leistung schaffen, wenn keine Mittel dazu bereit stehen, um Athleten zu fördern? Man kann nur die Anzahl der Kader reduzieren und die so nun freien Mittel verwendet man, um die wenigen verbliebenen Athleten besser fördern zu können.

BJV:
Wie geht es nun für dich weiter? Welches Trainingspensum fährst du? Was sind deine sportlichen Ziele?

Dino:
Ich habe mein Trainingspensum nur minimal zurückgefahren, sprich: ich bin immer noch jeden Tag auf der Matte anzutreffen. Ich kämpfe ja schließlich weiterhin in der Judobundesliga und möchte dort fit sein. Ob ich aber international nochmal auftreten werde, das werde ich mir in der nächsten Zeit erst überlegen. Vorrangig ist jetzt erstmal der Abschluss meines Bachelorstudiums.

BJV:
Blickst du auf eine sportliche Karriere zurück oder geht sie weiter?

Dino:
Naja, kein Nationalkader mehr zu sein, beschneidet die Möglichkeiten, um die sportliche Karriere weiter zu führen doch erheblich. Die Zeit die ich mit der Nationalmannschaft hatte, war sehr schön und ich möchte sie sicher nicht missen, aber nun kommen neue Aufgaben auf mich zu. In welchem Feld, das lässt sich noch nicht sagen. Es geht aber immer weiter.

BJV:
Was war dein bisher schönster, was dein schlimmster Moment im Judosport?

Dino:
Einen schlimmsten Moment habe ich so gesehen gar nicht. Ich bin glücklicherweise einer der Sportler, die ohne wirklich große Verletzung durch ihre Karriere gekommen sind.
Mein schönster Moment war nicht der Gewinn der Europameisterschaft der U23, wie man vielleicht vermuten mag, sondern der Gewinn meiner ersten Deutschen Meisterschaft in Ettlingen. Vor all meinen Freunden und Bekannten, zu Hause, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen, war wohl der schönste Moment, den ich erleben durfte.

BJV:
Sicherlich haben viele Personen Teil an deinem bisherigen Erfolg gehabt.
Wem möchtest du vor allen Dingen danken?

Dino:
Ja natürlich haben sehr viele Personen Teil an meinem bisherigen Erfolg gehabt. Allen voran meine Trainingspartner und Trainer, die mich immer begleitet und angetrieben haben. Meine Kontrahenten, an denen ich mich messen und wachsen konnte. Aber ganz besonders danken möchte ich meinen Eltern und meiner Familie, die mich immer so sehr unterstütz haben und ohne die einfach vieles nicht möglich gewesen wäre.

BJV:
Dino, wir danken dir für deine ehrlichen Worte - wir wissen sie zu schätzen!
Von Herzen alles erdenklich Gute für deinen weiteren Weg!

Gez.: Esther Pisch