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Datum: 01.01.2005
Ort:
   
20 Jahre Judo für Behinderte in Grenzach-Wyhlen
   
Im Jahre 1980 hatte der damalige Mitbegründer des Judo-Club Grenzach-Wyhlen, Lothar Claßen, die Idee, dass man Judo auch mit Geistigbehinderten versuchen kann. Aus dieser Idee heraus und mit einem Dutzend Geistigbehinderter wurde die Behindertenabteilung gegründet. Noch ziemlich unerfahren in diesem Metier, mussten erst einmal Erfahrungen gesammelt werden, in wie weit Judo mit Geistigbehinderten ausgeführt werden kann. Man fand sehr bald heraus, dass verschiedene Techniken nicht geeignet waren und dass man sehr viel Geduld benötigt um Judotechniken zu unterrichten.



1986 übernahm Erika Claßen die verantwortungsvolle Aufgabe diese Arbeit weiterzuführen. Inzwischen als Übungsleiter für Judo mit Geistigbehinderten ausgebildet, wird Erika Claßen unterstützt von ihrer Tochter Cornelia Ruf und Urs Lisenfeld, die sich ebenfalls als Übungsleiter ausbilden ließen. Gute Seele in diesem Trainerteam ist noch Gaby Droska, die sich ebenfalls mit sehr viel Liebe um die Judokas kümmert. Aus einer Gruppe mit einem Dutzend Judokas sind in der Zwischenzeit vier Gruppen geworden. Drei Gruppen trainieren in einer Schule für Geistigbehinderte im Rahmen des Schulsportes. Ebenfalls in diesen Gruppen sind Mitarbeiter einer Behindertenwerkstatt integriert, so dass es den Schülern, die die Schule nach Schulabschluss verlassen müssen und in der Werkstatt arbeiten können, möglich ist, weiterhin den Sport auszuüben.

Eine weitere Gruppe trainiert in den Trainingsräumen des Hauptvereines. Diese besteht aus Mitgliedern eines Behindertenheimes.

In diesen zwanzig Jahren hat sich die Struktur der Behindertenarbeit geändert und erweitert. Von anfänglichen kleinen Schritten im Bereich des Judosportes hat sich die Gruppenarbeit um vieles erweitert. Das Wettkampf auch in diesem Bereich möglich ist, war für viele Skeptiker am Anfang unvorstellbar. Man musste erst einmal eine Struktur erschaffen um dieses zu ermöglichen. Da man erkannte, dass es eine unterschiedliche Stärke der geistigen Behinderung gab, wurden Kategorien gebildet. Man unterteilte in drei verschiedene Kategorien, je nach Stärke der Behinderung. Praktische Erfahrungen machte man am Anfang bei einem Wettkampf in Frankreich. Um diese Erfahren auch hier in Deutschland umsetzen zu können wurde 1991 das erste Turnier für geistigbehinderte Judokas in Grenzach-Wyhlen ausgerichtet. Die positive Resonanz dieser Turniers bestärkte viele ebenfalls mit Geistigbehinderten Judo zu betreiben, so dass in der Zwischenzeit einige Turniere in Deutschland angeboten werden. Auch im Ausland hat sich die Behindertenarbeit durchgesetzt, so dass die Kämpfer auch an internationalen Turnieren in Frankreich, Belgien und Italien teilnehmen können. Höhepunkt für die Arbeit mit Geistigbehinderten ist wohl die Aufnahme in das olympische Programm der Special Olympics, den Olympischen Spielen für Geistigbehinderte. 1999 startete man noch als Demonstration jedoch bei den diesjährigen Special Olympics in Berlin gehört Judo zum festen Bestandteil. Auch hier werden Judokas aus Grenzach-Wyhlen starten.

Neben den sportlichen Aspekte wurden vor allen Dingen auch die sozialen Aspekte gefördert. Man organisierte Ferienfreizeiten mit Behinderten und Nichtbehinderten. Heute gehört es zum Jahresprogramm des Judo-Clubs, daß zweimal im Jahr gemischte Ferienfreizeiten veranstaltet werden.



Fazit aus 20 Jahren:



Im Vordergrund steht selbstverständlich die sportliche Betätigung. Der Judosport bietet viele Möglichkeiten auf verschiedene Behinderungen einzugehen. Da eine geistige Behinderung meistens in Verbindung mit einer zusätzlichen körperlichen Behinderung auftritt findet das Erlernen der Judotechniken individuell statt. Neben dem gesundheitlichen Effekt, Stärkung des Herz- und Kreislaufsystems, Stärkung der Muskulatur, Ausgleichen von körperlichen Dysbalancen, Schulung der Motorik spielt der soziale Aspekt eine große Rolle. Durch das Erlernen von Judotechniken und durch Erfolge im Wettkampf entwickeln die geistigbehinderten Judokas ein Selbstbewusstsein, welches für sie im alltäglichen Leben eine Unterstützung ist. Aggressionen können im Training abgebaut und das Durchsetzungsvermögen gestärkt werden. Doch vor allen Dingen eines ist ganz wichtig: Die Geistigbehinderten gehen schrittweise aus ihrer Isolation. Gerade Behinderte, die ein Leben lang in einem Behindertenheim aufwachsen, genießen den Kontakt mit den Nichtbehinderten. Dies kann man an den Judokas beobachten, die in den Trainingsräumen des Hauptvereines trainieren. Nach dem Training der Geistigbehinderten trainieren die Wettkämpfer des Judo-Clubs. Nach anfänglicher Scheu von beiden Seiten entwickelten sich in der Zwischenzeit kurze Gespräche. Für die Geistigbehinderten ein Weg in die Integration und für die Nichtbehinderten eine Überwindung ihrer Scheu im Umgang mit Geistigbehinderten.



Als Höhepunkt im Jubiläumsjahr der Behindertenabteilung des Judo-Club Grenzach-Wyhlen kann man wohl das Ausrichten des 4. Internationalen Judo-Turnier für Geistigbehinderte und gleichzeitig die 2. Deutsche Meisterschaft für geistigbehinderte Judokas in der 1. Kategorie am 24.06.2000 sehen. Wie bei jeder Meisterschaft findet neben den Wettkämpfen auch wieder eine große Party statt.